Correcting the Code — Chapter One: Before the Canon
Die frühe Geschichte der digitalen Kunst wird meist anhand von Maschinen, technologischen Durchbrüchen und weitgehend männlich geprägten institutionellen Strukturen erzählt. Das erste Kapitel von Correcting the Code richtet den Blick auf jene Akteur, die in dieser Geschichtsschreibung häufig übersehen werden: feministische und gender-marginalisierte Künstler, die seit den 1960er-Jahren mit Computern, Video, Systemen und Kybernetik arbeiteten – oft ohne direkten Zugang zu den Geräten, Laboren, Ausstellungen und Archiven, die das Feld prägten.
Das Gespräch widmet sich den materiellen und institutionellen Bedingungen, unter denen diese Praktiken entstanden: Wer erhielt Zugang zu Technologie und wer nicht? Wie wurden die daraus hervorgegangenen Werke dokumentiert und bewahrt? Und warum sind sie in der institutionellen Geschichte der digitalen Kunst bis heute so ungleich repräsentiert?
Rebecca Allen und Lynn Hershman Leeson, deren künstlerische Praktiken bis in die frühen Jahrzehnte der computergestützten Kunst zurückreichen, diskutieren gemeinsam mit Sabine Himmelsbach, Direktorin des HEK (Haus der Elektronischen Künste) Basel, die sich mit dem Sammeln und Bewahren digitaler Kunst beschäftigt. Das Panel verbindet künstlerische Praxis mit der Frage, wie Institutionen einen Kanon bilden – und wie dieser revidiert werden kann.
Allen und Hershman Leeson nehmen online am Gespräch teil. Die Veranstaltung kann vor Ort in Zürich oder online via Zoom besucht werden. Alle Interessierten sind willkommen.
Teilnehmende
Rebecca Allen ist Künstlerin und Pionierin der Echtzeit-3D-Computergrafik und lebt in Los Angeles. Seit den 1970er-Jahren arbeitet sie mit Computeranimation und untersucht die Darstellung des menschlichen Körpers, Bewegung und Wahrnehmung mit digitalen Mitteln – zu einer Zeit, als der Zugang zu diesen Technologien weitgehend auf Forschungslabore beschränkt war. Ihre frühen Arbeiten befinden sich unter anderem in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York und waren zuletzt in Electric Dreams in der Tate Modern in London zu sehen.
Lynn Hershman Leeson ist eine in San Francisco und New York lebende Künstlerin und Filmemacherin und zählt zu den Pionier interaktiver und medienbasierter Kunst. Seit den späten 1960er-Jahren arbeitet sie mit Fotografie, Video, Film, elektronischen Umgebungen, Netzkunst und künstlicher Intelligenz. Zu ihren Arbeiten gehören die Langzeitperformance Roberta Breitmore (1973–1978), die interaktive Installation Lorna (1979–1984) und die KI-basierte Webarbeit Agent Ruby (1998–2002) sowie Spielfilme und der Dokumentarfilm !Women Art Revolution.
Sabine Himmelsbach ist Kunsthistorikerin und Direktorin des HEK (Haus der Elektronischen Künste) in Basel, dem Schweizer Kompetenzzentrum für Kunst, die sich mit neuen Technologien auseinandersetzt. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Ausstellung, Sammlung und Bewahrung digitaler Kunst.
Dr. Jeni Fulton (Moderation) ist Forscherin und Dozentin an der Zürcher Hochschule der Künste und der Universität Zürich. Von 2024 bis 2026 konzipierte und kuratierte sie die Gesprächsreihe Digital Dialogues der Art Basel.
Über das Programm
Correcting the Code: Women, Gender, Technology and the Transformation of Digital Art ist ein öffentliches Programm mit Austauschformaten, performativen Aktivierungen und Workshops, organisiert von Marie-France Rafael, Jeni Fulton, Asya Yaghmurian und Sabine Himmelsbach. Eine Koproduktion des HEK (Haus der Elektronischen Künste), Basel, und des Institute for Contemporary Art Research (IfCAR) der Zürcher Hochschule der Künste. Unterstützt von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung. Laufzeit 2026/2027.
