Mo. - So. 10:00-20:00 Uhr

Net Encounters

Mit der Projektreihe Net Encounters ermöglichte das HEK durch Online-Auftragswerke neue Formate des direkten Austauschs zwischen Künstler:innen und Publikum im Netz. Im Fokus stand ein Aufbau innovativer Beziehungen zwischen Künstler:innen und Publikum während der Pandemie, basierend auf Wissen und KnowHow, das die Künstler:innen vermittelten und anboten.

In der Pandemie mit den strengen Regeln des Social Distancing wurde das Internet noch mehr als bisher zum wichtigen und oftmals einzigen Medium der Vernetzung. Die netzbasierte Kunst erhielt wieder vermehrt Aufmerksamkeit. Mit Net Encounters lud das HEK Künstler:innen ein, mittels Micro-Performances oder Transkationen neue Formen des Miteinanders zu ermöglichen – über Distanz hinweg. Damit sollten auch neue Beziehungen zwischen Publikum und Künstler:innen initiiert werden, während das HEK die Rolle eines Vermittlers einnimmt. Begegnungen fanden anhand von Werken oder als Wissenstransfer statt.

Bei den Micro-Performances stand die Begegnung mit einem künstlerischen Werk im Vordergrund. Micro-Performances konnten Live-Performances an analogen Orten sein, die über digitale Tools zugänglich gemacht werden, oder Online-Performances, die auf dem Bildschirm erlebt wurden. Im Vordergrund stand das Live-Erlebnis eines Werks. Bei den Transaktionen fand die Begegnung im Rahmen eines inhaltlichen Austauschs statt.

Der Fokus des Programms lag auf dem Experimentieren mit neuen Formaten des direkten Austauschs. Künstler:innen werfen einen kritischen Blick auf die Welt, der uns oft Bekanntes aus einer neuen Perspektive sehen lässt. Lassen wir uns wieder von Künstler:innen inspirieren und herausfordern!

Die ReiheNet Encounters fand von Januar bis Juni 2021 statt. Jeden Monat wurde ein neues Projekt präsentiert. Beteiligte Künstler:innen waren: Andreas Gysin & Sidi Vanetti, Rita Hajj, Lauren Huret, Till Langschied, Ceylan Oztruk, und Sarina Scheidegger.

Net Encounters wurde grosszügig unterstützt von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

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Rita Hajj

A turn on, a turn off, 2021

Rita Hajj, A turn on, a turn off, 2021
Rita Hajj, A turn on, a turn off, 2021

Für Net Encounters teilt die Künstlerin Rita Hajj einen Monat lang einen Live-Stream ihrer Kaffeemaschine. Sie lädt das Publikum ein, Bilder ihrer Kaffee- oder Teekanne hochzuladen, während sie eine Reflexion über die Geschichte des Worldwideweb und die Entwicklung von Live-Streaming und Online-Interaktionen entwickelt.

Im Jahr 1991 stellte das Computerlabor der Universität Cambridge eine Kamera auf, um ihren Mitarbeitern Live-Bilder ihrer Kaffeekanne zu liefern. Jahre später wurde die Kamera mit dem Internet verbunden und wurde zu einem der ersten Live-Streams. Rita Hajj stellt in turn on,turn off dieses historische Ereignis in ihrem Studio nach, indem sie dem Publikum über eine Webseite den Zugang zu ihrer eigenen Kaffeekanne ermöglicht. Zudem lädt sie die Nutzer*innen ein, ein Bild ihrer Kaffeekanne zu teilen. Dazu sollten die Benutzer*innen die entsprechende Webseite besuchen, der Teilnahme zustimmen und ihr Bild hochladen. Danach, erhalten sie ein algorithmisch generiertes Bild, das auf einem Datentraining von Kaffeekannen basiert. Ohne ihr Wissen tragen die Betrachter*innen zu den maschinellen Lernalgorithmen bei, die das Bild generieren. Darüber hinaus wird die Gesamtheit des Systems nie vollständig enthüllt, und das Publikum hat möglicherweise nur Teilinformationen über das System, an dem es zur Teilnahme eingeladen wurde. In diesem Sinne entwickelt Hajj durch ihre Arbeit eine subtile Kritik an den sozialen und kommerziellen Dynamiken, die sich online entwickelt haben. Von einem Raum des gegenseitigen Austauschs hat sich das Internet in ein Terrain verwandelt, in dem die Benutzer*innen unwissentlich für die Sammlung von Informationen für den Profit ausgenutzt werden.

Statement von Rita Hajj:

"Diese Arbeit entstand aus einer Befragung über eine Begegnung mit einem digitalen Bild. Sie rekonstruiert das, was als die erste Webcam der Welt bekannt wurde, die 1991 von Wissenschaftlern an der Universität Cambridge in England eingerichtet wurde. Später, 1993, übertrug dieselbe Kamera live über einen Computer die Überwachung der Kaffeemaschine: Dreimal pro Minute lief das Bild einer Kaffeekanne ins weltweite Netz. Es wird gesagt, dass Millionen von Technikbegeisterten auf dieses Bild zugegriffen haben, über das mehrere Medien berichteten und um das sich viele Anekdoten rankten. "Von einer Neuheit, zu einer weithin sichtbaren Ikone, zu einem historischen Artefakt" das Bild wurde 2001 abgeschaltet, und die Kaffeekanne wurde für £3.350 über eBay versteigert. Bei der Entfaltung dieses Moments durch seine Rekonstruktion im Kontext und in der Geschichte des World Wide Web geht es nicht nur darum, Zeuge einer Vergangenheit zu werden, die uns zu Video-Chats oder Live-Stream-E-Commerce gebracht hat, sondern auch um die Verknüpfung von Interaktionen mit Transaktionen. Die Interaktionen im Social Web erheben den Anspruch, Inklusion zu bieten, indem sie die verführerische Idee eines verbundenen menschlichen Netzwerks betonen: Ein weltweites Miteinander. Wir - als Nutzer*innen - stimmen dieser verführerischen Idee zu, obwohl wir uns der Ausmasse ihrer Nicht-Demokratie bewusst sind. Es könnte gefragt werden: Wessen Technologie wird genutzt? Für wen ist sie zugänglich? Warum stimmen wir - als Nutzer*innen - einer Macht zu, die uns verführt, nicht nur durch die Nutzung der Technologie, sondern auch durch die Produktion von Bildern?"

Die 1993 in Beirut geborene Rita Hajj ist Künstlerin und Designerin und lebt seit 2016 in Genf. Nach ihrem Abschluss an der Académie Libanaise des Beaux-Arts im Jahr 2014 absolvierte sie 2018 einen Masterstudiengang an der Haute école d'Art et de Design-Genève. Durch neue Medien, Schreiben, Szenografie und Performance ist ihre Praxis eine fortlaufende Forschung, die die zeitgenössische Bildproduktion und deren Korrelation zu Geschichte und Techno-Politik untersucht. Rita war in Gruppenausstellungen bei LiveInYourHead (Genf), one gee in fog / two gees in eggs (Genf), CAC-Brétigny (Brétigny-sur-Orge), und Institut du Monde Arabe (Paris) vertreten. Ausserdem nahm sie an mehreren Programmen am Istituto Svizzero (Rom), Haus der Statistik (Berlin) und Kunsthalle im Lipsius-Bau (Dresden) teil. Kürzlich absolvierte sie einen Artist-Residency-Aufenthalt in La Cité Internationale des Arts (Paris) und arbeitet derzeit an einer Publikation bei Editions Clinamen.

Anmerkung der Künstlerin: Dieses Projekt wurde dank der technischen Unterstützung des Künstlerkollegen und Forschers Alex Gence ermöglicht.

Sarina Scheidegger

Becoming a Stream, 2021

Sarina Scheidegger, Becoming a Stream, 2021
Sarina Scheidegger, Becoming a Stream, 2021

Für das Projekt Becoming A Stream lädt die Künstlerin Sarina Scheidegger das Publikum ein, ihr Bilder von Wasser zu schicken. Im Austausch für diese Bilder antwortet sie mit einzigartigen Texten, die von ihrer Forschung zu Wasserkörpern, Hydrofeminismus und Hydrocommons inspiriert sind.

Die Sammlung von Bildern und Texten wird Wasser nicht nur als quantifizierbare und instrumentalisierte Substanz untersuchen, sondern viel mehr, wie Wasser ein lebendiger Kollaborateur in unseren Methoden des Wissens, Denkens und Handelns sein kann. Inspiriert von der Schriftstellerin Astrida Neimanis – die in ihrem Buch "Bodies of Waters" den Weg und die Zirkulation eines Glases Wasser beschreibt – bezieht sich die Künstlerin in ihrem Schreiben auf die kollaborativen und miteinander verbundenen Aspekte des Wassers und der wässrigen, schwammigen und flüssigen Elemente, die uns umgeben. Für den typografischen Teil dieses Projekts arbeitet die Künstlerin mit dem Grafikdesigner Kambiz Shafei zusammen und setzt damit ihre langjährige Zusammenarbeit fort.

Das Projekt beginnt am 01.04.2021

Sarina Scheidegger ist eine Künstlerin, Autorin und Redakteurin, die regelmäßig an verschiedenen Kollaborationen beteiligt ist, hauptsächlich in Basel, Schweiz. Die verschiedenen Formen des gemeinsamen Arbeitens und Denkens mit anderen ist ein wichtiges Thema in Sarina Scheideggers künstlerischer Forschung. Sie arbeitete in verschiedenen Konstellationen und Kollaborationen, zum Beispiel mit der argentinischen Künstlerin Jimena Croceri. Gemeinsam realisierten sie eine neue Serie von Performances, die sich mit dem Thema Wasser(politik), Hydrofeminismus und Fluidität beschäftigen. Scheidegger hat einen Master of Contemporary Art Practice (HKB Hochschule der Künste Bern) und erhielt zahlreiche internationale Stipendien und Preise, darunter die Residency "FLORA", 2018 in Bogota, Kolumbien mit dem Programm "Coincidencia" von Pro Helvetia. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Istituto Svizzero, (Rom), Raven Raw Gallery, (London), Kunsthalle Basel (Basel), Crisper (Bogota), IPA Performancefestival (Istanbul) gezeigt.

Jahr: 2021
Typ: Instagram
Format: Foto und Texte
Kunstwerk: www.instagram.com/sarina_scheidegger/

Gysin-Vanetti

mail@gysin-vanetti.com, 2021

Gysin-Vanetti, mail@gysin-vanetti.com, 2021
Gysin-Vanetti, mail@gysin-vanetti.com, 2021

Für Net Encounters laden Gysin-Vanetti das Publikum ein, sie per E-Mail zu kontaktieren und ihnen Fragen zu stellen, im Gegenzug bieten sie ein generatives digitales Kunstwerk an.

Das von Gysin-Vanetti für Net Encounters konzipierte Projekt besteht darin, einen der populärsten Internet-Dienste, die E-Mail, auszunutzen, indem sie das Publikum einladen, mit den Künstlern persönlich über die Schriftsprache zu interagieren. In einer Zeit, in der sich Online-Kontakte vervielfacht und beschleunigt haben, mag die E-Mail heute als ein weniger unmittelbares Kommunikationssystem erscheinen. Mit dem Wunsch, die elektronische Post als Medium des Austauschs neu zu bewerten, schufen die Künstler eine Mailadresse und einen automatischen Antwortdienst:

mail[at]gysin-vanetti.com

Wird eine E-Mail an die Adresse schickt, wird ein geometrisches Kunstwerk vom Server generiert und an die Adresse des Absenders zurückgeschickt. Das Kunstwerk wird von einem Algorithmus erzeugt, der die in der Betreffzeile der Mail enthaltenen Zeichen verwendet und sie zu neuen geometrischen Konfigurationen zusammensetzt. Das Ergebnis wird deterministisch sein: die gleiche Eingabe erzeugt die gleiche Ausgabe. Jeder kann so kostenlos ein oder mehrere personalisierte Werke erhalten.

Gleichzeitig kann das Publikum die Gelegenheit nutzen, Fragen oder persönliche Kommentare an die Künstler zu senden, indem es den Text der E-Mail nutzt. Alle 10 Tage werden die Künstler auf die in dieser Zeit eingegangenen Fragen antworten, Fragen und Kommentare sammeln und mit ihren eigenen Beobachtungen antworten. Alle Teilnehmer*innen erhalten eine gemeinsame Antwort-E-Mail, in der sie ihre Fragen und thematischen Ideen in anonymisierter Form mit einem Kommentar oder einer Antwort der Künstler finden können.

Bitte beachten Sie: die von den Künstlern gesendeten Arbeiten und Antworten können im Spam-Ordner landen, daher wird das Publikum gebeten, auch diesen Ordner zu überprüfen.

Andreas Gysin & Sidi Vanetti sind ein Künstlerduo, das Bilder und Muster unter Verwendung der Geometrie von Multi-Use-Displays erforscht und dabei verschiedene Disziplinen aus Bereichen wie visuelle Kommunikation, Architektur und neue Technologien kombiniert. Zusätzlich zu ihrer Arbeit als Lehrer und Designer bauen sie temporäre Interventionen oder permanente Installationen im öffentlichen Raum und in Museen. Ihre Projekte zeichnen sich durch den persönlichen Gebrauch von recycelter, bestehender Hardware aus, die in ihrem Layout nicht verändert wird, sondern anders als das Original verwendet wird, mit dem Ziel, neue visuelle Permutationen zu schaffen. Beide 1975 geboren, arbeiten Andreas Gysin & Sidi Vanetti seit dem Jahr 2000, nach ihrer gemeinsamen Diplomarbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften und Künste des Tessins, zusammen an Forschungsprojekten.

Jahr: 2021
Typ: Mail
Künstler: https://www.gysin-vanetti.com

Till Langschied

Graphics-Incantation-Formats, 2021

Till Langschied, Graphics-Incantation-Formats, 2021
Till Langschied, Graphics-Incantation-Formats, 2021

Für Net Encounters lädt Till Langschieds Performance-Avatar Till Tumaroh dazu ein, das Internet als eine magisch aufgeladene Welt voller eigener Geschichten und Mythen zu sehen.

Till Langschied über seine Arbeit:

«Der digitale und durch verschiedene Zeiten reisende Tumaroh entdeckt in den Anfängen des Internets die “Graphics-Incantation-Formats” - kurz G-I-F. Diese gif-Animationen beherbergen laut Tumaroh eine geheime Kraft, wenn der oder die Internet-Nutzer*in das für ihn oder sie richtige gif erhält und auf seinem oder ihrem Computer speichert.»

Damit die Besucher*in des Net Encounters sein oder ihr entsprechendes gif aus einem der acht «Graphics-Incantation-Formats» erhalten kann, programmierte Tumaroh eine Selecter-AR-App, die über Instagram oder Facebook abrufbar ist. Nachdem man auf die Startgrafik tappt, wird einem ein gif zugewiesen. Dieser Prozess lässt sich innerhalb von Instagram und Facebook als Video oder Foto dokumentieren. Anschliessend kann man mit einer solchen Foto- oder Videoaufnahme aus der App Till Langschied oder das HEK via Instagram oder Facebook kontaktieren beziehungsweise eine Story auf der jeweiligen Plattform posten und Till Langschied sowie das HEK in dieser Story markieren. Daraufhin bekommt man das entsprechende gif als Originaldatei gesendet. Ausserdem erhält man ein digitales Magazin mit mehr Infos über die «Graphics-Incantation-Formats», in welchem die Geschichte der Entdeckung und die Magie der Dateien beschrieben und in Bilden illustriert wird. Darüber hinaus wird es eine Tumaroh Online-Performance geben, in welcher Tumaroh den Besucher*innen der Performance live ein gif zuweist und auf Fragen zu den Mythen des Internets antwortet.

Till Langschied ist ein in Deutschland geborener bildender Künstler, der in Basel, Schweiz, lebt und mit verschiedenen Medien arbeitet. Ursprünglich aus Frankfurt a.M. stammend, studierte er an der AMD Düsseldorf und bei Chus Martinez am Institut Kunst HGK in Basel, wo er 2019 seinen Abschluss in Bildender Kunst machte. Langschieds künstlerische Forschung konzentriert sich auf die Sehnsüchte und Träume der Menschheit und darauf, wie diese auf ein «Anderes» - nämlich Technologie und Natur - projiziert werden. Seine Arbeit erforscht die sich ständig weiterentwickelnden Beziehungen zwischen virtuellen und analogen Räumen und operiert an den Grenzen dieser Bereiche. Er entwickelt viele seiner Arbeiten in digitalen Formaten und transformiert sie dann in physische Objekte und Installationen, um die Handlungsfähigkeit des Virtuellen zu hinterfragen. Innerhalb seiner Praxis entwickelte er den Performance-Charakter Till Tumaroh, den er als Avatar auf verschiedenen Ebenen innerhalb seiner Arbeit einsetzt. Tumarohs schriftliches Manifest wurde von Éditions Extensibles, Paris, veröffentlicht und als Lecture Performance in der Librairie du Palais de Tokyo in Paris und in der Dampfzentrale in Bern aufgeführt. Langschieds Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem im Kunstraum Niederösterreich (Wien, 2020), Haus der elektronischen Künste Basel (Münchenstein, 2019), Au Lieu (Paris, 2019), Kunstverein Freiburg (Freiburg, 2019) und Binz 39 (Zürich, 2019). 2020 wurde er für die Lago Mio Residency in Lugano, Schweiz, eingeladen und 2021 von Pro Helvetia zu einem Residenzaufenthalt in China eingeladen.

Jahr: 2021
Typ: AR-App
Kunstwerk: https://www.facebook.com/fbcameraeffects/tryit/409629776938802/
https://www.instagram.com/ar/409629776938802/
Künstler: https://till-langschied.de

Lauren Huret

The Creature, 2021

Lauren Huret, The Creature, 2021
Lauren Huret, The Creature, 2021

Für die Reihe Net Encounters bietet Lauren Huret jeder*m die Möglichkeit, eine exklusive und personalisierte Videoarbeit in Auftrag zu geben und zu erwerben, die auf den Informationen basiert, die die Künstlerin online über diese Person vorfindet.

Stellungnahme von Lauren Huret zu ihrem Werk The Creature (2021):

«Seit den Anfängen der sozialen Medien hat mich das Online-Verhalten der Menschen fasziniert. Wie Menschen Teile ihres Lebens miteinander teilen, wie sie mit Selbstdarstellung umgehen, wie sie für sich selbst werben usw. Jedes Mal, wenn ich etwas online stelle, kann ich nicht anders denken dass ich etwas falsch mache. Das liegt zum Teil an einem Misstrauen gegenüber dem Überwachungskapitalismus und an der Angst vor Urteilen, aber vor allem daran, dass ich das Gefühl habe, dass das Teilen ausgewählter Aspekte meines Lebens irreführend (manchmal absichtlich), riskant und oder völlig uninteressant sein kann. Nichtsdestotrotz teile und poste ich weiterhin und fühle mich als Künstlerin oft dazu verpflichtet. Trotz meiner Skepsis finde ich dieses Phänomen äußerst faszinierend, vor allem die schiere Menge an Informationen und Bildern, die die Menschen bereitwillig in den öffentlichen Raum (oder besser gesagt, in den Hochstapler des öffentlichen Raums), nämlich das Internet, stellen. Um es einfach zu machen, haben Sie als Kunstmäzenin die Möglichkeit, mich mit der Anfertigung von Kunstwerken über Ihre Online-Präsenz zu beauftragen. Dies ist ein Porträt des Informationszeitalters im Zeitalter des Massenaustauschs. Es ist die Aufzeichnung einer Untersuchung, die ich über Sie durchführen werde, ein zeitliches Archiv Ihres Online-Selbst. Keine privaten Informationen aus unserer Korrespondenz oder früheren Austauschen (z.B. Ihre Kontaktinformationen) werden in dem Kunstwerk erscheinen, sondern nur das, was online gefunden wird. Als ob wir uns völlig fremd wären. Als Künstlerin werde ich versuchen zu verstehen, wer Sie sind, indem ich Ihrer Spur und meinem Instinkt folge und ein Videoporträt von Ihnen erstelle. Das endgültige Werk wird daher auch meine eigene Subjektivität widerspiegeln und die Person, die ich mir von Ihnen vorstelle. Es wird von meiner Stimmung beeinflusst sein - manchmal prophetisch und dramatisch, manchmal leicht und lustig, manchmal seltsam und absurd. Du bist das Modell, ich bin die Malerin.»

Möchten Sie Ihre eigene Videoarbeit in Auftrag geben, kontaktieren Sie Lauren Huret: http://laurenhuret.com/the-creature.

Lauren Huret (geboren 1984 in Paris) lebt in Genf, Schweiz. Ihr Werk, das sich hauptsächlich aus Videos, Installationen, Performances und Collagen zusammensetzt, basiert auf einer fortlaufenden Untersuchung des Einflusses von Medien- und Technologiekultur auf Glaubenssysteme. Sie hat u.a. im Kunsthaus Langenthal, in der Hard Hat Gallery in Genf, in La Panacée in Montpellier, Copenhagen Contemporary, im Centre d'art contemporain de Genève, im Centre Culturel Suisse in Paris, im Haus der Elektronischen Kunste in Basel und im Jeu de Paume in Paris ausgestellt. Jüngste Aufführungen waren u.a. im Kunstverein Göttingen in Deutschland, der Schweizerische Performance-Preis im Kunstmuseum Luzern, im Schinkel-Pavillon in Berlin, im Théâtre de l'Usine Genf, beim Festival Les Urbaines à l'Arsenic in Lausanne, für die internationale Organisation IKRK in der Türkei und in London. Jüngste Veröffentlichungen umfassen: «Artificial fear, Intelligence of Death», gemeinsam herausgegeben von Link Editons und dem Kunsthaus Langenthal (2016), «L'âge des techniciens» mit Pacôme Thiellement, herausgegeben von Clinamen (2017), und «Praying for my haters», herausgegeben von CCS Paris (2019).

Jahr: 2021
Typ: Video
Kunstwerk: https://vimeo.com/504812630
Künstlerin: http://www.laurenhuret.com

Ceylan Öztrük

Document3 (Transmission Tower), 2021

Für die Serie Net Encounters hat die Künstlerin Ceylan Öztrük eine Arbeit entwickelt, die jeden einlädt, zu einem Google Drive Dokument beizutragen, das vom Publikum und der Künstlerin gemeinsam geschrieben wird. Das Publikum ist aufgefordert, entweder die Entwicklung des Textes einfach online zu verfolgen oder ihn zu bearbeiten und der Geschichte neue Absätze hinzuzufügen.

Während das Schreiben oft eine intime und persönliche Erfahrung ist, hat Ceylan Öztrük in Document3 (Transmission Tower) beschlossen, diesen Prozess mit der Öffentlichkeit zu teilen, um eine kreative Begegnung und einen Austausch zu fördern. Ihre Arbeit ist ein Experiment, das sich auf die neuen Chancen und Möglichkeiten konzentriert, die dieser Austausch mit sich bringen kann. Das von den Betrachter*innen hinzugefügte Schreiben verwandelt den "work in progress"-Text in eine performative Handlung; Google Drive wird zu einer Bühne, auf der die Performance stattfindet und ihre Entwicklung miterlebt werden kann, statt zu einem fertigen Werk. Indem sie das Publikum einlädt, sich an dem Dokument zu beteiligen, gibt Öztrük einen Teil ihrer Kontrolle über die Entwicklung der Arbeit ab und lässt das Ergebnis im Ungewissen. Am Ende wird Öztrük alle eingegangenen Beiträge sowie ihre eigenen Ergänzungen und Bearbeitungen in einem endgültigen Text zusammenführen, in dem alle Teilnehmer*innen gewürdigt werden. Um an dieser partizipativen Aktion teilzunehmen und auf das Online-Dokument zuzugreifen, besuche die Website der Künstlerin: ceylanoztruk.com.

Ceylan Öztrük ist eine Künstlerin, die in Zürich lebt und arbeitet. Sie untersucht anerkannte Formen von Wissen und wie diese konstruiert wurden, um zu Werkzeugen von Machtstrukturen zu werden. Öztrük zielt darauf ab, den herkömmlichen Informationsfluss mit Hilfe eines multidisziplinären Ansatzes zu durchbrechen, in dem sie vorschlägt, neue Kanäle parallel zu den bereits bestehenden einzurichten bzw. diese manchmal zu ersetzen. Ceylan Öztrük schloss ihr praxisbasiertes Doktorat (2016) an der Mimar Sinan Fine Arts University (Istanbul) ab, das sie 2014 in Wien an der Akademie der bildenden Künste begann. Sie erhielt ihren Abschluss und ihren Bachelor-Abschluss an der Fine Arts Faculty der Anadolu University. Einige ihrer Ausstellungen und Performances sind: Orientalien, Theater Gessnerallee, Zürich (2020); Am a Mollusk, too; re/producing tangents, Longtang, Zürich (2020), IV. Berliner Herbstsalon, Berlin (2019); Oriental Demo, My Wild Flag Festival, Stockholm (2019), Building Poems, 1.1, Basel (2018); Speculative Domestics: Ai (Artificial Intimacy) Showroom, Alienze, Lausanne (2019); Call me Venus, Mars, Istanbul (2016).

Jahr: 2021
Typ:
Kunstwerk:
Künstlerin: http://ceylanoztruk.com