13.01.2024 - 10.03.2024

Ausstellung

Die Ausstellung «UBERMORGEN, Johanna Müller & Giulia Essyad. Schweizer Medienkunst – Pax Art Awards 2023» bietet eine Auswahl von Werken der preisgekrönten Künstler:innen in drei parallel laufenden Einzelausstellungen.

Eintritt:
regulär 12.- | reduziert 8.-

Den Hauptpreis der Pax Art Awards 2023 erhielt das Künstlerduo UBERMORGEN, das seit den 1990er Jahren Pionierarbeit im Bereich der Netzkunst leistet und bis heute mit konzeptuellen bis aktivistischen aber immer gesellschafts- und systemkritischen Werken überzeugt. Mit einer Förderung ausgezeichnet wurden auch Johanna Müller und Giulia Essyad, die beide in ihrer künstlerischen Arbeit die Funktionsweisen des Plattformkapitalismus im Internet erforschen: Von der algorithmischen Steuerung von Content über Selbstdarstellung auf sozialen Plattformen bis hin zu den Tiefen der Internet-Subkultur – beide dringen in ihren Arbeiten in die hintersten Ecken des Webs vor und bringen dessen Phänomene in den Ausstellungsraum.

UBERMORGEN

Das Duo UBERMORGEN erweitert seit den 1990er-Jahren das Feld der Netzkunst und lotet die Möglichkeiten des Internets immer wieder aufs Neue aus. Mit ihren Arbeiten reflektieren UBERMORGEN die Logik des Internets als Marktplatz und Vernetzungsmaschine und intervenieren in politische und gesellschaftliche Diskurse. Schon früh erkannte die Künstlergruppe, dass das Internet ein vielversprechendes Medium für die Kunst ist. Mit ihren ersten Projekten wie «Vote-Auction» (2000) brachten sie politische Themen ins Netz und machen damit nicht nur auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam, sondern schaffen spekulativen Raum für politische Aktionen. Diese historisch wichtige Arbeit wurde von der Art Foundation Pax angekauft und wird auch in der Ausstellung gezeigt.

Das Duo nutzt Branding und Marketing-Strategien besonders geschickt, um ihren antiautoritären Anspruch zu kommunizieren und medienwirksam Aufmerksamkeit zu generieren. Insbesondere Themen wie geistiges Eigentum, Originalität und künstliche Verknappung haben in den vergangenen Jahren aufgrund des Hypes um NFTs erneut an Bedeutung gewonnen und zeigen wie wichtig es ist, dass UBERMORGEN und weitere Künstler:innen ihrer Generation zu einem fundierten kritischen Diskurs beigetragen haben. Als Reaktion auf den NFT-Hype, kreierte das Duo einer der ersten PFPs (Picture for Profile) auf Tezos. Diese Profilbilder werden in den Sozialen Medien benutzt und als Status- und Zugehörigkeitssymbol einer bestimmten Gruppe verwendet. Die als PFPs generierten «D1cks» (2021) von UBERMORGEN beziehen sich mit ihrer farbigen Pixelästhetik direkt auf die CryptoPunks des Künstlerkollektivs Larva Labs – das bisher erste und nach wie vor erfolgreichste PFP – und thematisieren die männerdominierte Bro- Kultur der Krypto Szene und die Problematiken, die damit einhergehen.

Johanna Müller

Johanna Müller bezeichnet sich selbst als Flaneurin des Internets und untersucht, wie wir uns in online Räumen bewegen und verhalten. Dabei versteht sie das Flanieren als aktiven Prozess des Reframings und der Re-kontextualisierung von Inhalten, die sich in ihren Arbeiten in den verschiedensten Medien von Video über installative Objekt-Assemblagen bis zur Performance zeigen. Müllers Arbeiten zeichnen sich durch die Analyse von Phänomenen einer vernetzten, immer komplexer werdenden, aber auch überwachten Kultur der Digitalität aus. Sie widmet sich beispielsweise dem Phänomen des «walled garden», ein kontrolliertes, abgeschlossenes System um User:innen-Verhalten zu kontrollieren, wie zum Beispiel in dem Werk «What If I Was Wrong About What Jesus Looks Like» (2021), oder der Meme-Kultur, wie in der Arbeit «Who the f*** is Karen? (don’t show feelings)» (2022). Die Arbeiten funktionieren als Metapher auf die Funktionsweisen des Internets: sie beschreiben die Wichtigkeit der Orientierungsfähigkeit und der Internet Literacy. Müllers Arbeitsweise ist beispielhafte Post-Internet Art, im Sinne, dass sie nach dem Surfen im Internet aufbaut. Ihre Werke greifen die Ästhetik und charakteristischen Elemente des Web2 auf, wie Pop-Up Fenster, CAPTCHA Tests, die Google-Suche, die unsere «Reise» im Internet leitet, stört, lenkt und ein Zeichen davon sind, wie das Internet in seiner algorithmischen Struktur funktioniert.

Giulia Essyad

Giulia Essyad erforscht die Darstellung des menschlichen Körpers in den Medien Video, Fotografie, Skulptur, Poesie und Performance. Ihr eigener Körper dient dabei als Ausgangspunkt für digitale Manipulationen, in denen sie in die Rolle eines Science-Fiction Charakters schlüpft oder sich im Stil eines viralen Trends aus dem Internet inszeniert. Im Zentrum stehen dabei Schönheits-Stereotype und deren Dekonstruktion. Die auf den Körper aufgetragene Farbe Blau als Symbol der Entfremdung und des Andersseins ist ein wiederkehrendes Element in Essyads Werken. In diesem Kosmos dienen die blaue Haut der Avatare in James Camerons Blockbuster Avatar ebenso wie die indische Gottheit Ganesha als Vorbilder. Das blaue Blut, das für den Adel steht, heutzutage aber nur noch als Verlegenheitsgeste in Werbungen für Hygieneprodukte auftaucht, greift Essyad beispielsweise in ihrer Arbeit «Blue Period» (2020) auf. Die Fotografie zeigt die Künstlerin in einer Lache blauer Farbe stehend, die aus ihrem Schritt herunterläuft. Diese Geste ist gleichzeitig parodistische Referenz an den kunstgeschichtlichen Kanon wie die Demaskierung kommerzieller Werbemotive. Das Triptychon «blueberry.inflation.v1.2» (2021) thematisiert das Motiv der «Blueberry Inflation» und referiert auf die Verwandlung in eine Blaubeere, die der Charakter Violet Beauregarde im Film Willy Wonkas Schokoladenfabrik durchmacht. Das Internet machte diese Szene zum viralen Phänomen und brachte weltweite Nachahm- Fetische mit sich. In Essyads Werk kann die Metamorphose als eine Rückeroberung des Körpers gegen die von der Konsumgesellschaft auferlegten Ideale der Perfektion gelesen werden. Es ist ebenso eine Hommage an die Fans, die den opulenten Körper in seinen erotischen und vergnüglichen Aspekten feiern.

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Künstler:innen: UBERMORGEN, Johanna Müller, Giulia Essyad
Kurator:innen: Marlene Wenger
Kooperationspartner:innen: Art Foundation PAX
Unterstützer:innen
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Art Foundation Pax